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Retail

Socialmedia perfekt in Szene gesetzt

Bei Fashion-onlinekäufen wird bereits jeder vierte verdiente Euro durch Social Media-Plattformen beeinflusst.
interview von kirsten Reinhardt

Social Media-Plattformen wie Facebook, Instagram, Youtube und Co. sind heute fester Bestandteil im Alltag der Verbraucher. Social Media-Plattformen haben so-gar das Potenzial, sich langfristig zu neuen Einkaufsplattformen zu entwickeln, denn Social Media-Nutzer stehen dem Onlineeinkauf besonders positiv gegenüber. Wir sprachen mit Fabian Mayntz, Junior-Consultant des IFH Köln, und Autor der neuen IFH Studie „Social Media im Handel“.

Kirsten reinhardt: Wie können Fashionhändler Social Media-Plattformen besser nutzen – haben Sie ein Beispiel für uns?
Fabian Mayntz: Gerade im Bereich Fashion tummeln sich auf den Social Media-Platt-formen zahlreiche Influencer. Hier als Händler aus der Masse herauszustechen ist eine große Herausforderung, insbesondere für jene mit einer breiten Produktpalette. Da hilft nur ein starker Fokus auf eine bestimmte Zielgruppe und eine zielgruppengerechte Ansprache. Je nach Händlergröße kann über den Betrieb sortimentsspezifischer Kanäle nachgedacht werden, um die Relevanz des Contents aus Sicht der Followerschaft zu erhöhen. Entscheidend ist aber immer die Authentizität des Contents. Ein gutes Beispiel ist der Händler Asphaltgold, der es dank Social Media vom lokalen Schuhladen zum weltweit bekannten Shop geschafft hat. Die Fotos für die Social Media-Auftritte entstehen nicht im Studio, sondern überwiegend auf der Straße in der Heimatstadt – das kommt wesentlich authentischer rüber. Weniger ist manchmal mehr. Das gilt etwa auch für Kooperationen mit Influencern. Influencer mit einer geringen Reichweite (sog. Mikro-Influencer) sind oft authentischer als etwa Prominente und damit können sie auch relevanter für Werbekampagnen sein, denn die Followerschaft ist bei Mikro-Influencern meist organisch gewachsen, d.h. durch nahestehende FreundInnen oder KollegInnen. Die aufgebauten Beziehungen sind damit stärker und Empfehlungen haben entsprechend ein größeres Gewicht.

Sie halten die Bedeutung von Influecer-Marketing auf die Kaufentscheidungsprozesse für hoch. Warum ist das so und wie kann ein Händler davon profitieen?
Meinungen werden heute verstärkt auf Social Media gebildet. Im Zuge dessen entstehen auch gewisse Konsumbedürfnisse – schließlich will man keinen Trend verpassen. Und gleichzeitig sind Social Media-Plattformen Inspirationsquellen. Damit nehmen sie einen immer stärkeren Einfluss auf Kaufentscheidungsprozesse. Händler können die Plattformen als Kontaktpunkte zum Kunden nutzen, um Konsumbedürfnisse zu wecken und bestenfalls direkt zu befriedigen – sie können den potenziellen Kunden also mit inspirierenden Inhalten dort erreichen, wo er sich gerade aufhält. Zu den Influencern gehören aber auch schlicht und einfach nahestehende Freunde und Bekannte, die erheblichen Einfluss auf Kaufentscheidungen haben können. Denn sie sorgen mit ihren Beiträgen für ständig neue Reize und Inspirationen. Das kann auch zu einem gewissen Wettbewerb führen – wer trägt das schönste Kleid, wer die angesagtesten Schuhe? Der Wunsch nach Anerkennung auf Social Media ist groß. Jeder möchte sich perfekt in Szene setzen. Der Geldbeutel kann unter diesen Voraussetzungen auch mal etwas lockerer sitzen – zum Vorteil aller Händler, die selber aktiv werden.


Social Media-Umsätze der umsatzstärksten Konsumgüterbranchen (zu Endverbraucherpreisen)Quelle: IFH-Studie „Social Media im Handel“ 2018

Welche Social Media-Plattformen haben das Potenzial sich zu neuen einkaufsplattformen zu entwickeln?
Aktuell hat sicherlich Instagram das größte Potenzial. Die Nutzerzahlen steigen rasant und Shoppingfunktionen werden mit „Instagram Shopping“ gezielt ausgebaut. Seit März können dort Einkäufe direkt in der App getätigt werden, was ofenbar so gut ankam, dass Unternehmen wie Boss, Esprit und auch Asphaltgold nun auch im Stories-Bereich das Feature testen können. Youtube und Pinterest sind ebenfalls interessante Kandidaten. Facebook hingegen hat mit einer rückläufien Zahl aktiver Nutzer zu kämpfen und verliert insbesondere bei der jüngeren Generation an Bedeutung. Snapchat ist zwar bei der jüngeren Generation besonders beliebt, muss sich seit der Einführung von Instagram Stories aber ein Stück weit neu erfinden.Auch hier wird ein neues Shopping Feature (Commerce for Creators) getestet sowie ein Feature zur visuellen Produktsuche für Amazon (Eagle).