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Retail

Kooperationsmodelle für den Einzelhandel – Gemeinsam ist man stärker

Einzelhandelssterben, Einheitsfilialisierung, Leerstände und sinkende Aufenthaltsqualität in den Innenstädten und Stadtvierteln bedingen einander. Auf einmal werden bei sinkender Frequenz in den Läden Aspekte wichtig, die sich der Beeinflussung durch die Händler selbst entziehen wie z.B. Mangel an Parkplätzen, schlechte Anbindung an den ÖPNV, fehlende Sitzgelegenheiten und vieles Andere mehr. Da macht es Sinn, sich mit allen "Betroffenen" an einen Tisch zu setzen, um Lösungen zu finden.

von Brigitte Methner-Opel

Um Kunden nachhaltig zurückzugewinnen, reicht es kaum noch, Late Night Shopping oder Ladies Nights anzubieten. Für wirksame Veränderungen sollte man Kollegen und Ladennachbarn ansprechen und die Werbegemeinschaften, Stadtteilvertretungen, das Citymanagement und/oder die Wirtschaftsförderung der Stadt oder Gemeinde dazu laden. Gemeinsam lässt sich leichter definieren, wie die Attraktivität der jeweiligen Einkaufsmeilen zum Nutzen aller erhöht werden kann. Die Fragen: Was wollen wir? Was brauchen wir? und Wie können wir das erreichen? sprich: Wer macht was? sind im Plural "Wir" leichter zu stemmen.

Digitalisierung braucht Umdenken und Werkzeuge

Mit Vielen an einem Strang zu ziehen, entwickelt eine weit höhere Zugkraft als einzelne Aktionen, erzielt dazu eine größere, leichter zu kommunizierende Breitenwirkung. Eine Gruppe kann zudem Profis beschäftigen, die ihr Dinge abnehmen, die nicht zum Alltagsgeschäft gehören wie z.B. Werbemaßnahmen, Kontakt zu Medien oder auch Online-Auftritte, die, wenn sie niedrigschwellig aufgebaut sind, nicht so abschreckend wirken.

Zwei lokale und zwei bundesweit agierende Initiativen sollen beispielhaft für ein Gelingen stehen: "Local Loyalty" aus Köln, ein Projekt, das noch in der Erprobungsphase steckt. "Buy Local e.V." mit Sitz in Volkertshausen, Baden-Württemberg und "Heimat Shoppen" mit Keimzelle bei der IHK Mittlerer Niederrhein, beide agieren bundesweit, aber mit unterschiedlichen Konzepten. Dazu "Mönchengladbacher Fashion Day", der erstmals im April entlang Nordrhein-Westfalens steilster Einkaufsstraße stattgefunden hatte und im kommenden Jahr weiter geschrieben wird.

Local Loyalty

Das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie in NRW hat das Projekt "Digitalen und stationären Handel zusammendenken" ins Leben gerufen. Local Loyalty, das vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH), der International School of Management (ISM), der IHK zu Köln und den Interessensgemeinschaften Lindenthal und Rodenkirchen initiiert wurde, ist ein Teilprojekt dieser Aktion. Wie Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH erklärt, will man "gerade jenen Standorten, die über Jahrzehnte gezeigt haben, dass die Bereitschaft zum Wandel besteht und die ihre Kunden über viele Jahre halten konnten, helfen, um auch den nächsten Schritt der Transformation zu ermöglichen. Digitalisierung fordert nicht nur ein Umdenken, sondern es braucht auch Werkzeuge, um die mittelständisch geprägten Anbieter der Innenstadt zu befähigen. Genau hier setzt „Local Loyalty“ an. In zwei Veedeln in Köln soll eine digital unterstützte Loyalty-Lösung hergeleitet und erprobt werden, die auf die lokalen Anforderungen der Kunden und Akteure angepasst wird. Über Befragungen wird die lokale Anforderung evaluiert und mit der Sicht der Anbieter „gematcht“. Darauf aufbauend wird eine Lösung genutzt und das Onboarding der lokalen Akteure erwirkt". Dazu brauche es: "Unternehmertum! Unternehmertum! Unternehmertum! Nur wer investiert, kann auch zukünftig erfolgreich sein. Sich aktiv zu engagieren und im Verbund unterschiedlicher lokaler Anbieter zu wirken, sind die Basis. Entsprechend sind die Bereitschaft zum Handeln und die Bereitschaft zur Fehlerkultur bei allen engagierten Teilnehmern gefordert, um zu lernen und langfristig erfolgreich zu sein."
www.ifhkoeln.de

Buy Local

Ein paar Jahre weiter ist der eingetragene Verein "Buy Local". Gegründet von BuchhändlerInnen, die dem rapiden Sterben im Buchhandel aktiv entgegen treten wollten, umfasst er inzwischen 500 Mitglieder aus den Bereichen Einzelhandel, Dienstleistung und Handwerk. Modehandel ist in geringerem Umfang vertreten. Die Mitglieder können sich aus einem breiten Angebot an Kommunikationsunterstützung und Werbemitteln bedienen und erfahren bei ihren Aktionen gezielte Hilfe. Es wird ein Siegel vergeben. Wie auch bei "Heimat Shoppen" legt der Verein großen Wert auf dem Engagement in der Region z.B. die Unterstützung sozialer oder kultureller Projekte vor Ort. Eine weitere Voraussetzung für die Aufnahme ist die Einhaltung fairer Arbeitsbedingungen.
www.buylocal.de

Es ist nicht so leicht, Modehändler zu mobilisieren

Heimat Shoppen

Das Bewusstsein steigern für die Sinnhaftigkeit des persönlichen Engagements für die Attraktivität der Innenstädte, ist eines der Ziele von "Heimat Shoppen", das inzwischen in etwa 300 Städten und Gemeinden vertreten ist. Entstanden ist die Idee bei der IHK Mittlerer Niederrhein mit Sitz in Mönchengladbach. Mitglieder sind meist Werberinge oder -gemeinschaften, in denen Händler gemeinsam mit der Gastronomie und anderen Dienstleistern aktiv sind, darunter auch der Modefachhandel. Ansprechpartner und selbstverantwortlich ist jede IHK vor Ort. Das Werbematerial mit dem einprägsamen Logo wird auf Anfrage kostenlos verteilt. Ziel ist es, den Zusammenhalt zum Wohle der Region zu stärken sowie die Sichtbarkeit der einzelnen Teilnehmer zu erhöhen. "Heimat Shoppen" ist auf Instagram und Facebook aktiv, um den Wiedererkennungswert auch online bereitzustellen. Neben den jährlichen Aktionstagen, in diesem Jahr am 13./14. September 2019, werden nicht nur Stadt(-teil-)feste, sondern auch Einzelaktionen gefördert.
www.heimat-shoppen.de

Mönchengladbacher Fashion Day

Bei diesem Event drehte sich am 13. April 2019 (fast) alles um Mode. Besonderes Key Visual war der rote Teppich, der nicht nur für den Catwalk und die dort stattfindenden Modenschauen und Events zum Einsatz kam. Jedes teilnehmende Geschäft, entlang der steilen Einkaufsstraße vom tiefsten Punkt an der Galeria Karstadt Kaufhof über das Einkaufszentrum Minto auf halber Strecke bis zu Das macht Sinn am höchsten Scheitelpunkt, rollte für seine Kunden den roten Teppich aus. Er war eine Hommage an den wachsenden Textil- und Bekleidungsstandort Mönchengladbach mit seinen erfolgreichen Webereien und Bekleidungsunternehmen nebst der Hochschule Niederrhein, als der größten spezialisierten Ausbildungsstätte in diesem Bereich in Europa. Wirtschaftsförderung und Marketinggesellschaft der Stadt, IHK sowie das City Management hatten sich für die Organisation des Fashion Days Unterstützung durch die Marketingagentur P.E.P. Factory gesichert. Auf dem Outdoor-Laufsteg vor dem Minto, wurde von Lingerie über Brautkleidung bis Trachtenmode als Breakdance-Vorführung, unterbrochen von DJ Performances, viel geboten. Neben den Bildungsträgern und Hauptsponsoren haben sich ca. 25 Unternehmen am Fashion Day beteiligt. Viele Mitmachaktionen und das Angebot besonderer Snacks komplettierten den Aktionstag.
www.pep-factory.de

Leiden Sie nicht alleine, obwohl eigenes Engagement schon viel erreichen kann. Suchen Sie Verbündete. Es gibt schon viele Kooperationsangebote, man muss sich nur trauen, sie aktiv zu nutzen.