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Modehandel im Umbruch: Der Verdrängungswettbewerb prägt die Branche

Die Kleiderschränke der Verbraucher sind voll. Und ein immer größerer Teil des Textilhandels wandert ins Internet ab. Viele Modehändler bekamen das bereits 2017 zu spüren. Und das neue Jahr dürfte kaum besser werden.

Allerdings fällt der Anteil für Bekleidung, im Vergleich zu anderen Kategorien, eher klein aus. Für Mode gaben die Deutschen im Schnitt 108 Euro pro Monat und Haushalt aus, was einem Anteil von 4% am Gesamtbudget entspricht. 14% der gesamten Konsumausgaben entfielen auf die Ernährung (342 Euro), 35% auf den Bereich Wohnen (877 Euro). Für Freizeit, Unterhaltung und Kultur wendeten die Haushalte im Schnitt 258 Euro auf, was einem Anteil von 10% entspricht. Der Rest entfiel unter anderem auf Gesundheit, Telekommunikation du Bildung.

Die Branche ist im Umbruch. Online-Händler wie Zalando gewinnen an Boden. Aber auch Hersteller wie Adidas, die mit eigenen Läden und Online-Shops dem Handel Konkurrenz machen, und Billigketten wie Primark schneiden sich ein immer größeres Stück vom Kuchen ab. Da die Umsätze mit Textilien insgesamt kaum noch wachsen, geht ihr Wachstum auf Kosten der "klassischen" Modeläden in den Einkaufsstraßen. "Der Textilmarkt ist ein Haifischbecken", beschreibt Martin Schulte von der Unternehmensberatung Oliver Wyman die Situation. "Die zahlreichen Insolvenzen und Schieflagen der letzten Jahre haben gezeigt, wie umkämpft das Geschäft ist."

Und der Druck auf Boutiquen und Modehäuser dürfte eher noch zunehmen. "Die Verlagerung der Umsätze im Textilhandel in Richtung Online geht weiter", ist Michael Gerling vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI überzeugt. Allenfalls das Thema der Umschichtung verringere sich. Hoffnungslos ist die Situation für die "klassischen" Modeläden in den Einkaufsstraßen aber dennoch nicht, ist der Branchenkenner überzeugt. "Im Textilbereich wird es immer lokale Platzhirsche geben, die gar kleinen Onlineshop haben", meint er. Doch müsse sich der Fachhändler in der Innenstadt anstrengen, wenn er eine Zukunft haben wolle. Er müsse den Kunden Leistungen anbieten, "die nicht im Internet kopiert werden können". Das werde dann auch vom Kunden honoriert.

Axel Augustin vom Handelsverband Textil (BTE) formuliert es noch schärfer: "Laiendarsteller sind in der Branche nicht mehr überlebensfähig." Doch ist nicht nur der Modemarkt in Deutschland von den Umwälzungen betroffen, weltweit ist die Branche im Umbruch. Nach einer gemeinsamen Studie der Unternehmensberatung McKinsey und des Branchenfachblattes "Business of Fashion" (BoF) dürfte 2018 dank des starken Wachstums in den Schwellenländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas erstmals die Hälfte der Umsätze mit Kleidung und Schuhen außerhalb Europas und Nordamerikas erwirtschaftet werden. Die höchsten Wachstumsraten prognostiziert die Studie für den Luxusbereich und die Discount-Mode. Im mittleren Preissegment dürften die Zuwächse dagegen eher bescheiden ausfallen.

Von der Wettbewerbsdynamik, die in der Branche herrscht, bleibt inzwischen selbst ein Gigant wie H&M nicht mehr verschont. Der Branchenriese, der jahrelang mit seinem neuartigen Verkaufskonzept die Branche aufmischte, wirkt neuerdings verwundbar. Im Ende November abgelaufenen Schlussquartal des Geschäftsjahres 2016/17 mussten die Schweden trotz etlicher Neueröffnungen erstmals in der Unternehmensgeschichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Und die nächste Herausforderung für die Textilbranche steht in Deutschland schon vor der Tür: Die Alterung der Gesellschaft und ihre Folgen für den Handel. "Der Markt wird merkbar schrumpfen, besonders in kaufkräftigen Schichten", prognostiziert Thomas Rasch vom Modeindustrieverband German Fashion die in einigen Jahren zu erwartende Entwicklung. Darauf müsse sich die Branche erst noch einstellen.

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