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Lust auf Innovation - Handel investiert in neue Technologien

An diesem Dienstag hat in Düsseldorf die Fachmesse für Technologien im Handel, EuroCis 2018, begonnen. Bis zum Donnerstag präsentieren die Aussteller in den Hallen 9 und 10 des Messegeländes ihre Angebote zu Themen wie Location Based Services über personalisierte Produkte bis hin zu Robotics und Künstlicher Intelligenz.

Von sinkenden Frequenzen, mauen Umsätzen und Gejammer darüber, dass es stationäre Modehändler im Vergleich zu Online Pure Playern so schwer haben, war im Vorfeld der Messe kaum etwas zu hören. Ganz im Gegenteil: Der Handel ist beinahe elektrisiert. „Die klassischen Handels-IT Investitionen haben wir schon hinter uns – jetzt schauen wir, was wir von den Online-Händlern an Technik brauchen, um unsere Kunden zu begeistern“, sagt Martin Heinzmann, der beim Platzhirsch Hagemeyer in Minden in der Geschäftsleitung für diese Themen zuständig ist. Und auch Michael Maas, geschäftsführender Gesellschafter des Modehauses Maas in Bassum, widmet sich nach abgeschlossenem Umbau nun den Themen Online-Shop, Warenwirtschaft, Kassensystem, CRM und Limitplanung.

In diesem Jahr verzeichnet die EuroCis nach eigenen Angaben einen Rekord: Mit 460 Ausstellern aus 29 Ländern auf 10.400m² Ausstellungsfläche und erwarteten 11.000 internationalen Fachbesuchern ist sie so groß wie nie zuvor.

„In den vergangenen drei bis vier Jahren wurde in der Modebranche durchgängig investiert – besonders in IT, Warenwirtschaft, Apps und Webshops“, fasst Markus Prante zusammen, der bei der HSH Nordbank Firmenkunden aus der Mode- und Textilbranche betreut. Er beobachtet auch eine zunehmende Investitionsfreudigkeit, wenn es um die engere Vernetzung von Marken, Lieferanten und Einzelhändlern geht. „Das Investitionsverhalten in diesem Bereich ist auf einem hohen Niveau“, so der Banker.

Freilich sind es meist die Häuser, die ohnehin schon ganz gut aufgestellt sind, die sich nun um Zukunftsthemen kümmern – und hier Investitionen auch häufig aus dem Cashflow bestreiten können. Aber auch Firmen, die für Investitionen in Digitalisierung fremde Mittel aufnehmen, haben bei dem noch andauernden niedrigen Zinsniveau derzeit gute Karten, sofern die Bonität und die Sicherheiten für die Kredite stimmen.

Im Vordergrund: Optimierung des Warenwirtschaftssystems

Als wichtigstes IT-Projekt geben vom EHI Retail Institute befragte Handelsunternehmen die Erneuerung und Optimierung des Warenwirtschaftssystems an, dicht gefolgt vom Thema Omnichannel. „Omnichannel, die digitale Transformation des Unternehmens und insbesondere der Filialen sowie die Themen Mobile Communications und Analytics sind für die Entscheider die wichtigsten technologischen Trends der kommenden Jahre“, heißt es in der Studie über IT-Trends im Handel. Stark an Bedeutung habe auch die Personalisierung der Kundenansprache gewonnen.

EuroCis 2018: EHI-Studie über IT-Trends im Handel

In eine neue Warenwirtschaft wollen in den nächsten zwei Jahren 57% der befragten Händler investieren. Basisanforderungen in Realtime z.B. müssen noch von fast 30% der Händler bewältigt werden. (Quelle EHI)

Mit Big Data Kundenwünsche erkennen

Doch wie erreichen Mode-Händler ihre hoch gesteckten Ziele genau? Die Grundstrategie von Hagemeyer sei gerade in den Zeiten der Digitalisierung der Kontakt zwischen Modeberaterin und Kundin, so Heinzmann. „Gerade im Jahr 2018 liegt der Fokus auf dem Kunden – gestützt auch auf die CRM-Daten der Kundenkarte.“ Und hier komme die Technik ins Spiel: „Eines der beiden Hauptthemen ist Big Data – also wirklich unsere Kunden und ihre Wünsche anhand unserer Datenbank kennenlernen.“ Diese Informationen stünden dann auch Hagemeyer-Mitarbeiterinnen auf ihrem mobilen Endgerät zur Verfügung, um die Kunden besser zu beraten. Michael Maas muss für sein deutlich kleineres Modehaus nun erst einmal das Warenwirtschaftssystem umstellen. Er arbeitet gerade zusammen mit dem Anbieter Modehaus.dean einem Online-Shop – muss dafür aber die Warenbestände im Minutentakt aktualisieren, was sein bisheriges Warenwirtschaftssystem nicht hergibt.

Zur Veränderung bereit sein

Die Herausforderungen fasst Dirk Rumler vom EHI Retail Institute zusammen: „Es geht darum, die Fläche zu digitalisieren und damit selbst besser sowie effizienter die Bedürfnisse der Kunden zu bedienen und auch mit neuen Wettbewerbern auf technologischer Augenhöhe zu agieren.“ Dafür haben die Händler auch ihr IT-Budget erhöht und stecken laut EHI-Studie 1,35% des Netto-Umsatzes in solche Projekte.

Wichtigste Hürde dabei ist neben den finanziellen Mitteln allerdings auch oft die Bereitschaft zur Veränderung. „Zum Teil ist es auch eine Generationenfrage auf Entscheiderebene, ob an Omnichannel wirklich geglaubt wird“, so Rumler. Generell rät er Unternehmen, sich auf zwei bis drei konkrete Projekte zu konzentrieren, um sich nicht zu verzetteln. Entscheidend sei dabei, dass alle Mitarbeiter in die Prozesse eingebunden seien.

Essenziell ist dabei auch die Wandlung der klassischen IT-Abteilung als interner Dienstleister hin zum Hauptverantwortlichen für das Thema E-Commerce. Die Gespräche des EHI haben ergeben, dass die Firmen dieses Thema ernst nehmen und ihre IT-Mitarbeiter im Business ansiedeln. Heute berichten fast 60% der IT-Verantwortlichen direkt an das obersten Führungsgremium, 41% seien sogar selbst Mitglied der Geschäftsführung, so das Institut.

Möglichkeiten zur digitalen Interaktion nutzen

Die Ergebnisse einer kürzlich von dem Technologieunternehmen Scandit in Auftrag gegebenen Umfrage unter mehr als 1500 Verbrauchern in den USA, Großbritannien und Deutschland zeigen aber, dass der stationäre Einzelhandel die Möglichkeiten zur digitalen Interaktion mit Kunden nur unzureichend nutzt. Fast drei Viertel der befragten Verbraucher seien gegenüber traditionellen Händlern zwar positiv oder sehr positiv eingestellt. In Deutschland seien es bei 201 Befragten sogar 80%. Die Daten der Scandit-Umfrage zeigen aber, dass stationäre Einzelhändler ihre Shopping-Apps zum Beispiel nicht voll ausnutzen. Solche Apps ermöglichten digitales Engagement in Echtzeit und stellten Informationen bereit, die die Kunden zu Einkäufen motivieren könnten.

Daran arbeitet auch Hagemeyer. Das Modehaus soll erlebbar sein – auch wenn das Geschäft abends oder sonntags geschlossen ist. „Hierzu bauen wir unser Portal zum Kunden – zurzeit unsere Website – mit einem modularen Programm um“, erklärt Heinzmann. „Wir brauchen hier mehr Interaktion und Dialog, die Zeiten einer Website zur reinen Informationsgewinnung sind vorbei.“ Die ersten Testversuche unternimmt Hagemeyer schon mit der alten Website, wo Kunden zum Beispiel per WhatsApp Kontakt aufnehmen können.

Doch es sind nicht nur Investitionen, die Spaß machen – wenn etwa danach der Online-Shop funktioniert und wie bei Leffers in Oldenburg ein kleiner Empfangs-Roboter die Kunden begrüßt. Es stehen auch weniger erfreuliche IT-Investitionen an, auf die sich die Unternehmen dennoch vorbereiten müssen. Unternehmen mit SAP-System zum Beispiel müssen in den nächsten ein bis zwei Jahren viel Geld in die Hand nehmen: „Die Kosten für die anstehende Zwangs-Umstellung auf ein neues Update können sich auf Beträge im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich summieren“, schätzt Prante von der HSH Nordbank.