No. 1 in Pronto Moda in Germany

Retail

Technisches Eldorado für das Geschäft

Multimedia-Jalousien, digitale Lösungen für Theken und Tische und schwebende Produktpräsentation können am POS begeistern.

68 Prozent der Kaufentscheidungen erfolgen spontan am Produkt. Hätten Sie es gewusst? „Dabei entscheidet sich ein Verbraucher in nur rund 1,6 Sekunden, ob er das Produkt haben und kaufen will oder nicht. Wird ein Produkt schlecht präsentiert, ist die Chance vertan,“ mit diesem Statement betonte Professor Dr. Christoph Häberle von der Hochschule der Medien in Stuttgart während der Pressekonferenz der Fachmesse Viskom Ende 2014 die Bedeutung der visuellen Kommunikation. Während der internationalen Fachmesse für visuelle Kommunikation in Frankfurt a.M. gab es viele interessante News für Fashionprofis.

Schaufensterwerbung von morgen

Mit Licht werben: die Media-Jalousie der Münchener Firma Mediabiose sieht auf den ersten Blick wie eine handelsübliche Jalousie aus. Geschäftsführerin Mariana Yordanova entwickelte die Jalousie, die aber dank LEDs zur leuchtenden Werbefläche wird. Dargestellt können sowohl Grafiken, Logos als auch Laufschriften. „Wir sprechen damit den gehobenen Einzelhandel an, der keine geklebte Werbung im Schaufenster haben will“, formuliert Yordanova die Zielgruppe. Die Anwendung sei denkbar einfach: Mit der Jalousie werden Software und Steuereinheit geliefert, die mit geringem Aufwand einfach aktualisiert und die sogar aus der Ferne neu gesteuert werden könne, auch für mehrere Geschäfte gleichzeitig. Fast Lebensecht ging es bei Ameria, Heidelberg, mit dem `Virtual Promoter´ zu. „Es handelt sich dabei um eine Rückprojektionsfolie für das Schaufenster mit einer lebensgroßen, virtuellen Promotorin, die auf Bewegungen, Sprache oder einfach durch Vorbeilaufen gesteuert wird. Sie kann zudem online- und offline- Kommunikation verbinden“, erklärt Projektmanager Philipp Hoffmann.

Präsentationen zum Staunen

Eine Weltpremiere zeigte der Designobjekte-Hersteller Usables, Düsseldorf: Über einer 155 cm hohen Säule in Z-Form schwebten Produkte in klar umrissenen Bahnen wie von Geisterhand geleitet. Geschäftsführer Oliver Plantenberg erklärte das erstaunliche System, welches Gegenstände frei im Raum schweben lässt. „Durch Magnetfelder können Produkte bis zu 2 kg schwebend und sich drehend präsentiert werden, weil das Steuersystem unterhalb der Objekte die Flugbahnen der Bewegung in vier Richtungen festlegt.“

Digitalisierte Präsentation ganz andere Art, zeigte ds-Xpress, Bargteheide. CEO Heinrich Quintero erklärt: „Dreammoc ist unser 3D-Hologramm-Medium, das weiter entwickelt wurde. Das Display in Pyramidenform aus Glas kann jetzt ein reales Produkt gleichzeitig mit einer holographischen Videoprojektion präsentieren, das dem Betrachter ein faszinierendes Bild vermittelt. In einer einfachen Version kostet Dreammoc 1.500 Euro mit Content ab 600 Euro.“

Was ein Präsentationstisch alles kann, war bei Eyefactive aus Wedel zu entdecken. CEO Matthias Woggon stellt die eigens entwickelte Technologie vor, die mithilfe von Beamern und Kameras funktioniert. Die Multi-Touch-Folie kann auf Tische, aber auch auf Wände oder im Schaufenster verklebt werden. Die Touch-Erkennung funktioniert über Kameras, die beispielsweise unter einem Tisch oder hinter der Wand angebracht sind. „Solch ein Tisch kann sogar durch die Kameras interaktiv arbeiten, d.h., in der Steuereinheit sind Informationen hinterlegt, die ein Verkäufer in der Beratung am Touchscreen abrufen kann.“

Auch ohne Technik läuft Werbung

Bei aller Technik-Euphorie bleibt doch bei den Werbern das Plakat aus Papier immer noch die Nummer eins. Preiswerter sind die Werbebotschaften auf Papier, z.B. die Stele von Addcube, Darmstadt. Dazu Thomas Reisinger: „Ohne Strom könnten die Stelen aus Holz mit praktischen Plakattaschen und Magneten mit Werbebotschaften schnell umgerüstet werden.“ Eine andere manuelle Technik kommt von dem schwedischen Unternehmen Expand – dort ist die Werbung aufblasbar. „Mobilität ist unser großes Plus“, erklärte Sales-Manager Harald Müller. Neu stellte er Prototypen mit vier Aluminiumstäben vor, die mit einem Stretchstoff zweiseitig bezogen und mit einem Reißverschluss geschlossen werden. Eine ganz andere Art der Verkaufsförderung kam von Voitair. Ganz ohne Technik und Chemie sorgen reine ätherische Öle für emotionale Stimmungen im Geschäft.

Bleibt zum Schluss doch die Frage nach der Technik: Kommt sie flächendeckend im Handel an oder kommt sie nicht? „Mittelfristig werden Plakate durch Digital Signage ersetzt, weil das Preis-/Leistungsverhältnis von Bildschirmen noch weiter sinken wird“, ist Bodo Berscheid, Geschäftsführer bei UniVideo, Lindlar, überzeugt. Dann sei Werbung aus Papier nur noch antiquiert.