No. 1 in Pronto Moda in Germany

Retail

Die Modewirtschaft im Wandel

Wir befinden uns in einer Zeit großer Umbrüche. Die Gesellschaft wandelt sich und das spürt man auch in der Mode. Ein typisches Anzeichen für grundsätzliche Veränderungen ist die Tatsache, dass es keine starken Trends mehr gibt, sondern eher eine Anhäufung z.T. sehr unterschiedlicher, undifferenzierter Tendenzen mit annähernd gegenteiligen Modeaussagen. Lediglich ein Meta-Trend lässt sich identifizieren und dieser weist deutlich in die Richtung, in die es zukünftig geht: Individualisierung. Von Brigitte Methner-Opel

Was bedeutet Individualisierung für die Anbieter von Mode? Ganz offensichtlich ist es der Kunde leid, sich in komplette Outfits seiner Lieblingsmarke zu gewanden und damit seine modische Aussage zu treffen. Die Anbieter von Damenmode haben darauf bereits reagiert und ihre Kollektionen wieder „einzelteiliger“ angelegt. Das klingt einfacher als es ist, denn im vergangenen Jahrzehnt haben die Modemarken alle Energie darauf verwandt, ihre Flächenkonzepte im Handel möglichst optimal im Total Look zu bespielen. Dadurch veränderte sich die Handelsstruktur, da sich die großen Handelshäuser mit den Shops der Modemarken wie mit Juwelen schmückten und ihre Stammabteilungen wenn nicht ganz abbauten, so doch zumindest stark zurückfuhren. Damit überließen sie zwangsläufig die Sortimentsgestaltung den Shopbetreibern und ihrer Modekompetenz. Die Aufgabe dieser Kernkompetenz des Handels über einen derart langen Zeitraum hat zu einem Wissensverlust beigetragen, der nur mit viel Mühe wieder zu beschaffen ist.

Jeder nach seinem Geschmack

Für eine relativ lange Zeitspanne war es jedoch genau dieses System, das der Kunde wünschte, so dass sich niemand genötigt sah, nach Alternativen zu suchen. Nun steht dem Kunden der Sinn nach Individualisierung, sprich: auf seine Person zugeschnittene und nach seinem eigenem Geschmack selbst komponierte Outfits. Diese jetzt geforderte Diversifizierung können große Modemarken nicht im notwendigen Tempo realisieren. Die per Beschluss, selten per Konzept, in die Salamischeiben der Liefertermine geteilte Saisonware ist für den Individualisierungstrend nur bedingt hilfreich. Der Kunde will keine farblich ineinander greifenden Folgeproduktserien, sondern frische Ware, aus verschiedenen Töpfen und mit inspirativen, spannungsgeladenen Aussagen.

Pronto Moda als ein Problemlöser


Eine der denkbaren Lösungen dafür ist „Fast Fashion“: Mode im Sechswochentakt, die wirklich neue Themen, Farben, Materialien und Silhouetten bringt, nicht nur 1/4 einer einheitlichen Saisonplanung. Dieses neue Konzept erfordert eine massive Veränderung des Orderverhaltens beim Handel und muss erst einmal verstanden und gelernt werden. Die Anforderungen an den Handel wachsen. Er muss sich komplett neu orientieren - Ende (noch) offen. Eine echte, häufig immer noch unterschätzte Alternative und keinesfalls eine Notlösung ist Pronto Moda, die zudem den Druck auf den Handel und seine Läger reduziert, weil sie sein Kapital nicht langfristig bindet. Pronto Moda wird gekauft, wenn man sie braucht. Es gibt, quasi „um die Ecke“ in Deutschland und Europa, unendlich viele Anbieter von preisgünstig bis edel und hochwertig. Gekauft wie gesehen, nicht gekauft wie „gebrandet“. Die Mode und ihre Produkte rücken wieder an die oberste Priorität nicht der Name der jeweiligen Marke, was im Umkehrschluss schließlich dazu führt, dass die „Marke Handel“ wieder gestärkt wird. Natürlich gibt es auch im Bereich Pronto Moda starke Marken, deren Ware man immer wieder gerne kauft, aber letztlich wäre es denkbar (wenn auch nicht unbedingt sinnvoll), eine komplette Abteilung ausschließlich mit Pronto Moda zu kreieren, ohne sich ein einziges Mal zu wiederholen. Freie Auswahl ohne Grenzen.

Handeln ist ein aktiver Vorgang

Auf den Handel sind in den letzten Jahren viele neue anspruchsvolle und auch kostenintensive Aufgaben zugekommen. Die Stichworte heißen E-Commerce und Multichannel. Der Prozess der Einführung ist oft noch gar nicht abgeschlossen. Der Handel wird von den Verbrauchern mehr denn je gefordert, die gesamte Partitur zu bespielen und das nach komplett neuen Spielregeln und Vorgaben. Fast Fashion und Pronto Moda sind wichtige Teile dieses Spiels und können sowohl den erforderlichen Mode-Push verleihen als auch finanziell entlasten. Es lohnt sich, die Anteile am Einkaufsetat auf den Prüfstand zu stellen und notfalls neu zu gewichten.