No. 1 in Pronto Moda in Germany

Retail

Der Laden verzahnt sich mit der Technik

Dominierende Themen der Düsseldorfer Messe EuroShop 2017 waren die fortschreitende Digitalisierung im Handel sowie Omnichannel-Strategien im Verkauf und im Marketing. Zwei neue Studien geben Auskunft über den Status quo und die Zukunftstrends. Von Kirsten Reinhardt

Die Investitionen des Handels in digitale Technologien steigen weiter an. Das belegt die Studie „IT-Trends im Handel 2017“ des EHI, die während der EuroShop vorgestellt wurde. Das durchschnittliche IT-Budget für 2017 liegt über alle Branchen hinweg bei 1,35 % vom Nettoumsatz. 2015 lag der Wert noch bei 1,24 %. Im Vordergrund steht eine Digitalisierung des Stores. Gemeint sind Beratung und Bedienung mit Hilfe von Infoscreens, Tablets oder Information über Displays und Infoterminals. Für 57 % der Händler steht die Optimierung bzw. Erneuerung der Warenwirtschaft und bei 46 % die Kassen-Hard- und Software an erster Stelle. Die Technik entwickelt sich so rasant, dass mehrere Jahre alte IT-Lösungen keine durchgängige Multi- oder Omnichannel-Strategie unterstützen können. Das gilt für große Betriebsformen, aber auch für inhabergeführte Geschäfte. Denn der Begriff Multi-Channel meint nicht nur den Verkauf stationär und online. Bei Marketing und Werbung sind Multichannel-Aktivitäten bereits für viele Händler selbstverständlich, auch wenn ihnen das gar nicht bewusst ist. Dazu gehört Social-Media-Marketing mit Banner-Werbung oder E-Mail-Marketing in Kombination zu Print-, Radio- oder Plakatwerbung sowie Kundenaktionen d.h. In-Store-Marketing.

Budgets für Location- Kampagnen steigen

Während der EuroShop wurde eine weitere Studie auf dem Stand von Advantech iRetail vorgestellt: der LBMA Global Location Trend Report 2017, durchgeführt durch die Location Based Marketing Association (LBMA). Insgesamt 509 Unternehmen aus fünf Ländern wurden befragt: USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien und Singapur. Die weltweit agierenden Werbetreibenden verraten zum zweiten Mal ihre ortsgebundenen Marketingpläne. Das Ergebnis: Die Budgets steigen durchschnittlich um 3 %. Folgende Medientypen halten deutsche Unternehmen für typisch ortsbasiert:

Digital Out Of Home (Digitale Außenwerbung): 58 %
Plakatwände: 49 %
Mobile (Werbung auf mobilen Endgeräten): 39 %
Print-Werbung (39 %)
Radio-Werbung (32 %)

Carsten Szameitat, Vorstandsvorsitzender der LBMA DACH, sagt dazu: „Mit ortsbasierten Daten können wir die Effektivität von verschiedenen Werbekanälen wie Mobile, Out of Home, Print und Radio zuverlässig messen. Unsere Studie zeigt, dass sich deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich nicht zu verstecken brauchen.“ Die Nutzung von ortsbasierter Werbung nahm in den meisten Ländern zu, nur in Deutschland sank der Anteil um 3 %:

Singapur (87 %),
Deutschland (81 %)
USA (72 %)
Kanada (61 %)
UK (54 %)

Bei der Frage nach den Vorteilen durch Location-based Marketing zeigen deutsche und britische Unternehmen eine Vorliebe für personalisierte Werbung (43 %). Auch die Verkäufe am POS zu unterstützen (44 %) und die Markenkenntnis (42 %) zu erhöhen, stehen weit vorne. In den USA hingegen glauben viele der Befragten, dass Location-based Marketing die Besucherzahlen in stationären Läden erhöhen kann – eine Ansicht, die in Deutschland eher langsam an Fahrt aufnimmt (32 %).

Wi-Fi ist die Nummer eins


Die aktuell am weitesten verbreitete Technologie ist Wi-Fi, zwei von drei Firmen in Deutschland, Singapur und den USA nutzen sie bereits. In Kanada ist es jede zweite Firma. Allein Großbritannien setzt lieber auf eine andere Lösung: 37 % bevorzugen GPS. Für die Zukunft sehen 25 % die deutschen Unternehmer NFC (drahtloser Datenaustausch/Bezahlvorgang per Smartphones) als ihre Top-Priorität. Eine weitere Ausbringung von Beacons (kleine Bluetooth-Sender an Regalen, Schildern, etc., die mit Smartphones kommunizieren) ist weniger gewünscht: Deutschland (15 %). Smart Lighting, die drahtlose Lichtsteuerung via Smartphone- oder IPad, wollen nur 6 % der deutschen Unternehmen einsetzen. Das aktuelle Trendthema Augmented/Virtual Reality ist für 24 % der deutschen Unternehmen interessant, in den USA wollen sich 44 % des Themas annehmen.